Mittwoch, 28. August 2013

Rezension: "Das Puppenzimmer" von Maja Ilisch

Seiten: (ca.) 481
Erscheinungsform: Originalausgabe
ISBN: eBook 978-3-95520-380-1
Format: ePUB
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 Vielen Dank an dotbooks, die mir das Buch zur Verfügung stellten.

Inhaltsangabe: 

London im Jahr 1908. Drei Wege führen aus dem Waisenhaus: der Tod, das Arbeitshaus oder eine Adoption. Als die junge Florence in den Haushalt der Familie Molyneux aufgenommen wird, kann sie eigentlich aufatmen – doch sie erkennt schnell, dass etwas auf dem prachtvollen Landsitz Hollyhock ganz und gar nicht stimmt. Warum darf außer ihr niemand das Zimmer voller alter Puppen betreten? Wieso kann sie dort manchmal Kinderlachen hören und manchmal ein Weinen? Und welches düstere Geheimnis bergen der gutaussehende Rufus Molyneux und seine eiskalte Schwester? Florence ahnt noch nicht, wie gefährlich Neugier sein kann – und dass nicht nur ihr Leben auf dem Spiel steht ...

Meine Einschätzung:
Lange hat es gedauert bis ich endlich den richtigen Zeitpunkt gefunden hatte, um dieses Buch zu lesen. Und was soll ich sagen?
Es war verstörend gut *lach*

Der Schreibstil war flüssig und leicht zu lesen. Einmal angefangen mit dem Lesen, kam ich nicht mehr von dem Buch los. Ich musste einfach herausfinden, wie alles zusammenhängt und alles endet.
Dabei merkt man nicht einen Augenblick, dass es sich hier, um das Debüt der Autorin handelt. 


Die Charaktere waren vielschichtiger, als man zunächst glaubte und alle samt sehr interessant. Besonders Rufus hat es mir hier angetan. Seine Art und seine Launen waren gelegentlich so wechselhaft, wie das Wetter im April. Violet entwickelte sich nicht nennenswert weiter. Sie war, wie man sie sich vorstellte.
Doch bei Florence erlebte man eine eigenartige Wandlung - vom kleinen Mädchen, dass Puppen nicht mag, hin zu etwas anderem ... wirklich tolle. 


Die Handlung selbst war ein richtiges Überraschungsei. Eigentlich hatte ich mit einem richtig tollen Psychothriller gerechnet und eine ganze Zeit lang sah es auch danach aus. Doch dann wurde ein Element eingefügt mit dem ich so nicht gerechnet hätte. Und doch passte es hier, wie die Faust aufs Auge.
Auch die Stimmung, düster und schwer, ist der Autorin wirklich wunderbar gelungen. Gestern Abend beim Lesen, war ich sogar froh, dass ich keine Tochter habe, die Puppen irgendeiner Art in ihrem Besitz hat. Verstörend ist nur ein Wort, dass ich für dieses Buch verwenden würde. Stellenweise angsteinflößend und doch auch fesselnd bis zur letzten Seite.
Nichts desto trotz war das Ende etwas enttäuschend für mich ...

Mein Fazit:
Starkes Debüt und von mir gibt es 4 Sterne.


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Und hier noch ein kleines Schmankerl für euch. 
Susann Hochmuth, meine Ansprechpartnerin bei dotbooks, leitete ein paar meiner Fragen an die Autorin weiter, die gerne bereit war mir Rede und Antwort zu stehen!
Hier nun das Interview mit Maja Ilisch!



über die Autorin: 
(c) Petronella Freudenberg Aachen
Maja Ilisch, geboren 1975 in Dortmund, studierte Öffentliches Bibliothekswesen an der FH Köln und absolvierte eine Ausbildung zur Fachbuchhändlerin. Sie schrieb unter anderem für TV-Serien auf SAT1 und RTL sowie für ein Hörspiellabel, für das sie auch eine Phantastikreihe konzipierte. Außerdem betreibt sie die Website des von ihr gegründete Fantasy-Autorenforums TINTENZIRKEL. Heute lebt sie als Bibliothekarin und freie Autorin mit ihrem Mann in Aachen, wo sie sich mit Büchern umgibt und ausgewählte Gäste mit ihrer Puppensammlung erschreckt, die fast nur aus Köpfen besteht. „Das Puppenzimmer“ ist ihre erste Romanveröffentlichung.

Mehr Informationen über die Autorin im Internet: www.ilisch.de
Maja Ilisch freut sich, Kontakte zu ihren Lesern zu knüpfen: www.facebook.com/majailisch


Lu fragt, Maja Ilisch antwortet ... 


1. 
Was hat Sie zum Schreiben gebracht? Haben Sie schon immer geschrieben oder kam es plötzlich, wie aus dem Nichts und Sie haben sich gesagt: Heute will ich mal versuchen einen Roman zu schreiben?
Wenn Sie schon als Kind geschrieben haben, fällt Ihnen dann noch ein worum es in Ihrer ersten Geschichte ging?

Ich habe mit dem Schreiben angefangen, lange bevor ich eine Vorstellung von Romanen hatte. Tatsächlich bin ich als Erstklässlerin davon ausgegangen, dass der Hauptgrund, warum man überhaupt Schreiben lernt, der ist, dass man seine Geschichten dann auch aufschreiben kann – und diese Motivation war sehr wichtig für mich, weil ich ein fauler Hund war und eine erbärmliche Schreibmotorik hatte. Aber wenn ich wollte, dass auch andere meine Geschichten lesen konnten, musste ich mich anstrengen, und damit habe ich dann den bösen Huddelkönig in meinen Heften endlich besiegen.

Mein erstes eigenes »Buch« habe ich im zweiten Schuljahr begonnen und nach vierzehn handschriftlichen Seiten großartig vor die Wand gefahren: Es war eine Zirkusgeschichte, aber nachdem ich den ausgebrochenen Löwen erfolgreich in der Schrebergartenlaube eingesperrt hatte, wusste ich nicht, wie ich den da wieder hinausbekommen sollte, und das hat »Zirkus in der Stadt« ein abruptes Ende beschert.


2.

Was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten und wo/wann fallen Ihnen die Ideen zu Büchern ein?


Ich kann schwer sagen, woher genau ich meine Ideen hole. Wenn ich außerhalb meiner eigenen vier Wände bin, nehme ich viele Kleinigkeiten in meiner Umgebung auf, wie ein Schwamm – alles lässt sich später noch irgendwofür brauchen. Dabei sind es mehr Gebäude, die mir ins Auge springen, als Personen – ich finde Menschen interessant, aber ich beobachte sie nicht gern. Ich surfe auch unglaublich gern durch die Wikipedia und merke mir interessante Dinge – wobei mich ganz besonders historische Mordfälle interessieren, aber auf dem Weg dahin nehme ich mit, was ich kriegen kann.

Ich gehe nicht gezielt los nach dem Motto »Jetzt suche ich mir Material für einen neuen Roman« - umgekehrt, ich habe so viele Ideen für ungeschriebene Romane auf Halde liegen, dass ich lieber mehr Zeit hätte, diese Geschichten aufzuschreiben, als dass ich auf der Suche nach neuen wäre – aber aus heiterem Himmel, im Bus, im Halbschlaf, macht es »Bang!«, und eine neue Idee springt mich an mit den Füßen voran. Manchmal ist es der eine Funke, der mir fehlte, um eine ältere Idee endlich in die Tat umzusetzen, manchmal ist es etwas völlig Neues, das unbedingt geschrieben werden will, sofort!

Dann gehe ich in mich, ob ich wirklich etwas Neues anfangen will – üblicherweise habe ich ja eine ganze Reihe Werke in Arbeit, ich schreibe nie nur einen Roman auf einmal, sondern meistens ein halbes Dutzend, und die will ich auch fertig schreiben: Jedes neue Projekt bedeutet weniger Zeit für die anderen. Aber ganz verwerfen mag ich die neuen Ideen auch nicht. Dann schreibe ich lieber ein Probekapitel und schaue, wie mir die Figuren liegen und wo noch Recherchebedarf besteht, und wenn ich mich gleich in den Text verliebe, arbeite ich weiter – ansonsten landet er auf der Warteliste, oder auch schon mal auf dem Friedhof.
3.
Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht gerade an den verschiedensten Projekten arbeiten? Kennen Sie das Gefühl eine Schreibblockade zu haben? Ich hatte Gelegenheit Markus Heitz diese Frage zu stellen und er meinte, dass er immer schreiben könne. Wie sieht es da bei Ihnen aus?


Ich habe über Jahre extrem diszipliniert gearbeitet, jeden Tag meine ein bis drei Stunden geschrieben und im Schnitt drei Romane im Jahr fertiggestellt. Schreibblockaden hätte ich während der Zeit als ein anderes Wort für Faulheit bezeichnet – wer schreiben will, kann auch schreiben, alles andere sind Ausreden. Ich hatte immer mein Ziel vor Augen, einmal einen Roman zu veröffentlichen, und darauf habe ich eisern hingearbeitet, und so viel Zeit, wie mir neben meiner Arbeit in der Bibliothek blieb, habe ich ins Schreiben investiert.

Lustiger- oder auch traurigerweise hat ausgerechnet die Veröffentlichung meines ersten Romans dazu geführt, dass auf einmal die Luft raus war, nach dem Motto »Ziel erreicht, und nun?« Dabei habe ich mir inzwischen meinen Lebenstraum verwirklich und mich als Schriftstellerin selbstständig gemacht, und das Schreiben ist nicht mehr mein liebstes Hobby, sondern mein Beruf. Was Arbeit ist, wirkt gleich viel weniger attraktiv – und da ich meinen Arbeitsplatz zu Hause habe, gibt es ein Überangebot von Zeitvertreiben, die ich statt Schreiben betreiben kann:

Sinnloses und sinnvolles Websurfen, Webdesign für meine verschiedenen Webseiten und mein Autorenforum, Computerspiele, und meine Wohnung profitiert sehr davon, dass in manchen Momenten selbst Aufräumen und Putzen attraktiver erscheinen als Schreiben.

Aber das alles ändert nichts daran, dass ich die ganze Zeit über kontinuierlich im Kopf mit meinen Geschichten beschäftigt bin – buchstäblich Tag und Nacht und egal, was ich tue. Alles, was ich wieder tun muss, ist, mich auf meinen Hintern setzen und die Sachen endlich auch aufschreiben. Ich glaube also immer noch nicht an Schreibblockaden – aber an wirklich, wirklich, wirklich hartnäckige Faulheit.

4.
Wenn Sie nicht Ihre eigenen Bücher schreiben, lesen Sie dann auch? Wenn ja, was ist Ihre bevorzugte Lektüre?
Ich lese nach wie vor sehr gerne, wobei ich meine Blütezeit als Schülerin hatte und im Schnitt zwei bis drei Büchereibücher am Tag verschlungen habe. Mein Studium über und während der anschließenden Ausbildung habe ich immer noch viel gelesen, aber ausgerechnet die Tatsache, dass ich Buchhändlerin geworden bin, hat mir da einen Dämpfer aufgesetzt. Auf einmal war es nicht mehr so, dass ich lesen wollte, sondern musste, und nicht das, was ich mir selbst ausgesucht hätte, sondern was die Kunden interessieren könnte. So habe ich eine echte Leseblockade entwickelt, die einige Jahre angehalten hat, und das war bitter, weil Lesen eigentlich immer mein liebster Zeitvertreib war. Auch mein Schreiben krebste in der Zeit vor sich hin.

Erst nachdem ich wieder zum Lesen zurückgefunden hatte – und mich damit belohnte, jedes gelesene Buch in meinem Blog zu rezensieren, von enthusiastisch bis bitterböse – und mir klargemacht habe, dass ich lesen kann, was ich will, egal ob ein Buch auf der Bestsellerliste steht oder nicht – habe ich auch wieder angefangen, richtig viel zu schreiben. Ich lese sehr gerne Mystery, selbst grottenschlechte Vertreter des Genres: Hauptsache, es kommt ein altes Haus vor und ein paar schauerliche Geheimnisse, und wenn ich hinterher darüber lästern darf, bin ich glücklich. Außerdem Krimis – keine Thriller, sondern klassische englische Whodunits à la Dorothy L. Sayers oder Margery Allingham, und sehr viel Fantasy, wobei ich da das Ausgefallene bevorzuge.

Ich bin immer noch etwas buchhandelsgeschädigt: Ich lese ungern das, was mir andere empfehlen, sondern entdecke meine Lektüre gerne selbst, sodass ich bis heute weder den »Herrn der Ringe«, noch den letzten Harry-Potter-Band, noch »Twilight« gelesen habe. Aber dafür bin ich immer für einen Geheimtipp gut.

5.

Nun, da Sie dieses Projekt abgeschlossen haben, was kommt nun? Erst mal eine kreative Pause oder geht es gleich weiter mit dem nächsten Projekt?


»Kreative Pause« ist für mich ein innerer Widerspruch. Ich bin entweder kreativ, oder ich mache eine Pause. Eigentlich hatte ich vor, einfach so weiterzumachen wie vorher und an meinen anderen Projekten zu schreiben – im Moment habe ich fünf verschiedene High-Fantasy-Romane in Arbeit, einen historischen Jugendthriller, einen realistischen- und einen fantastischen Jugendroman und eine auf mehrere Teile angelegte Reihe über einen Geisterfotografen in den Zwanzigerjahren, und irgendwas sollte da ja wohl bei sein, an dem ich weiterarbeiten könnte.

Aber vielleicht ist das auch einfach ein Überangebot, und ich kann mich nicht entscheiden – an dem einen Tag will ich High Fantasy schreiben, am nächsten denke ich, dass der Markt nur auf meinen viktorianischen Thriller wartet, dann wieder habe ich Lust auf Spukhäuser – was mir fehlt, ist eine klare Linie. Ich will immer alles auf einmal, und das rächt sich jetzt. Insofern denke ich, eine Pause, in der ich versuche, einmal gar nicht ans Schreiben zu denken, könnte mir ganz gut tun, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen und neue Motivation tanken, aber so ein Gedränge verschiedenster Geschichten und Figuren im Kopf ist doch gar nicht so einfach abzuschalten.

Also versuche ich das andere Unmögliche: Alle Geschichten hinauszulassen, die hinauswollen, so lange, bis ich die eine gefunden habe, für die ich bereit bin, alle anderen liegen zu lassen.


6.
So als Abschluss: Was raten Sie denen, die selbst Schreiben? Irgendwelche Tipps?


Ein Autor braucht Fantasie, Talent und Disziplin, aber je länger ich auf diesem Buchmarkt unterwegs bin, desto mehr merke ich, das wichtigste, was ein Autor braucht, der in diesem Haifischbecken unterwegs sein will, ist ein ganz dickes Fell. Zum einen als Sitzfleisch: Man verbringt als Autor doch sehr, sehr viel Zeit mit Warten. Der Lektor ist interessiert, will das Buch gerne prüfen – und dann ist Ausdauer gefragt, monatelang. Selbst mit einer Agentur im Rücken, die einen direkteren Draht zu den Verlagen hat und beim Lektor anfragen darf (für Autoren selbst ist tabu), muss man immer noch lange Wartezeiten einkalkulieren. Und erst recht muss man einkalkulieren, dass es nicht klappt.

Ich treffe oft junge Autoren, die verzweifelt sind, weil sie nach einem ganzen Jahr immer noch keinen Verlag gefunden haben, und dabei ist das schon ihr dritter Roman, und wenn sie das jetzt wieder nicht schaffen, haben sie niemals eine Chance … Und ich weiß nicht, ob es sie dann tröstet, dass ich meinen ersten Roman mit vierundzwanzig Jahren einem Verlag angeboten habe, aber bis achtunddreißig warten musste, damit es dann mit meinem zehnten Roman geklappt hat.

Man darf niemals aufgeben, besser werden zu wollen, und nie glauben, dass man auf dem Höhepunkt angekommen ist – und man muss immer neue Niederlagen einstecken lernen. Wenn ich jetzt eine negative Rezension lese, mache ich natürlich keine Freudensprünge, aber ich kann deutlich besser damit lesen, wenn das Buch einem einzelnen Leser nicht gefällt, als wenn ein Lektor, auf den ich all meine Hoffnungen gesetzt habe, sich nach einem halben Jahr Zappelei doch gegen mich entscheidet.

Bücher sind Geschmackssache und werden es immer bleiben, und genauso wie ich mir als Leserin das Recht herausnehme, ein Buch nicht zu mögen und das auch laut, deutlich und bisweilen zynisch zu sagen, billige ich das auch allen meinen Lesern zu, und weil ein Buch, das es wirklich jedem Rechtmachen will, allzu leicht beliebig wird. Aber auch das gehört zu den Dingen, die man als Autor lernen muss: Der Leser hat immer recht. Wer damit nicht zurechtkommt, soll auf jeden Fall weiterschreiben, um des Schreibens willen und für sich selbst. Aber wer für andere schreiben will, der muss lernen, mit den Rückschlägen zu leben – die positiven Reaktionen, das Gefühl, einen Leser glücklich gemacht oder so richtig hinter Licht geführt zu haben, machen den ganzen Ärger hundertmal wieder wett.

Ich hoffe euch hat mein kleines Interview mit der Autorin gefallen und ich konnte euch das Buch etwas näher bringen.
Euch noch einen schönen Tag und vergesst nicht: Ich freue mich über jedes Kommentar!

Liebe Grüße
Lu

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch total klasse und habe es regelrecht verschlungen. Und ich freue mich wahnsinnig auf die neuen Bücher von Frau Ilisch. Ihre Projekte hören sich alle super.

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    1. Danke ich habe mir viele mühe gegeben

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