Donnerstag, 21. November 2013

Autorenspecial: Maja Winter antwortet ...

Guten Morgen liebe Leserschaft, 

heute gibt es wieder ein tolles Interview mit einer Autorin, die mich zuletzt mit zwei Büchern begeistern konnte - wenn auch unter zwei verschiedenen Namen.
Denn hinter Maja Winter verbrigt sich die Autorin "Lena Klassen" - bevor ich zu dem Interview komme gibt es ein paar Infos zur Autorin selbst. 


© by J. Klassen
über die Autorin:
Maja Winter ist das Pseudonym der erfolgreichen Autorin Lena Klassen, unter dem ihr Fantasy-Debüt beim Blanvalet Verlag erscheint. Sie wurde 1971 in Moskau geboren und wuchs in Deutschland auf, wo sie Literaturwissenschaft, Anglistik und Philosophie studierte – bis hin zu ihrer Promotion an der Universität Bielefeld. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Haus im ländlichen Westfalen.



Mehr Informationen findet ihr hier: http://www.lenaklassen.de/




Doch nun geht es weiter im Text. Ihr wartet jetzt sicher darauf endlich das Interview lesen zu dürfen. Okay, ich will mal nicht so sein und euch nicht länger auf die Folter spannen!

Das Interview

1. Was hat Sie zum Schreiben gebracht? Haben Sie schon immer geschrieben oder kam es plötzlich, wie aus dem Nichts und Sie haben sich gesagt: Heute will ich mal versuchen einen Roman zu schreiben? 

Ich habe tatsächlich schon immer geschrieben – sobald ich schreiben konnte, ging es los. Zunächst kleine, fantasievolle Geschichten, die ich in Schreibhefte gekritzelt und mit Filzstift-Gemälden illustriert habe. Im Laufe der Jahre wurden die Geschichten immer länger. Der Gedanke, dass ich ja auch mal einen Roman in Angriff nehmen könnte, kam mir mit zwölf. Von meinen frühen Versuchen im Kinder- und Teenageralter profitiere ich übrigens noch immer – da sind Ideen oder auch bloß Ideensplitter dabei, aus denen sich etwas machen lässt, auch wenn es mit der Umsetzung damals noch haperte.

2. Wer oder was inspiriert Sie? Wo nehmen Sie ihre Ideen her? 

Fantasie ist geheimnisvoll, und ich glaube nicht, dass man wirklich erklären kann, wie man auf eine Idee kommt. Oder warum einem plötzlich eine Idee so wichtig wird, dass man unbedingt daran weiterarbeiten will, während andere jahrzehntelang in dunklen Schubladen schlummern. Was ich jedoch dazu sagen kann: Ich tue mein Bestes, um den Ideen einen guten Boden zu bereiten. Ich notiere alles, was sich verwenden lässt. Träume, Gedankenfetzen, ein Gefühl, das man beim Lesen oder beim Spazierengehen bekommt, Figuren, die mir unbedingt von sich erzählen wollen.

3. Wenn Sie Zeit zum Lesen finden, was lesen Sie dann am liebsten? Bleiben Sie dem Genre treu in dem Sie selbst schreiben oder muss es was gänzlich anderes sein?
 
Ich schreibe in verschiedenen Genres, und genauso vielfältig ist meine Lektüre. Am liebsten mag ich Fantasy und Phantastik, aber auch Krimis, Jugendbücher, auch mal was Historisches (gerne mit einem Schuss Phantastik), SF, Liebesromane, Gedichte, Kurzgeschichten, Klassiker … Wichtig ist mir eine gute Geschichte mit lebensechten Charakteren und ein ansprechender Stil. Und ich mag es, wenn ein Buch noch länger nachhallt, einen beschäftigt, nicht bloß Fastfood ist.

4. Was sind Ihre TOP 3 bei Büchern? 

 
Das ist schwer zu sagen, ich habe kein absolutes Lieblingsbuch, weil sich das immer wieder ändert. Aber hier mal eine Topliste von Büchern aus meinem Lieblingsgenre, die ich für etwas ganz Besonderes halte:

  1. George MacDonald: Lilith
  2. Mervyn Peake: Gormenghast
  3. Evangeline Walton: Die vier Zweige des Mabinogi
5. Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht gerade an versch. Projekten arbeiten? 

Was für mich als Ausgleich für das viele Sitzen am Schreibtisch wichtig ist: draußen sein, im Garten werkeln. Ich mag Katzen, Mittelaltermärkte, Spieleabende, Wanderungen durchs Moor oder durch herbstliche Buchenwälder. Und ich höre gerne Musik. Aber die Autorin in mir ist immer dabei und sammelt Ideen und Eindrücke.

6. Wieviel steckt von Ihnen und evtl. Personen aus ihrem Umfeld in ihren Charakteren? 


Ich beobachte Menschen, aber ich würde nie jemanden eins zu eins als Charakter verwenden. Es ist immer eine Mischung aus verschiedenen Eigenschaften. Ich schreibe auch nicht autobiographisch. Es ist doch viel spannender, Figuren zu entwerfen, die anders sind als ich, und sie handeln zu lassen, wie ich es nicht könnte oder nicht will.

7. Kennen Sie das, eine Schreibblockade zu haben? Markus Heitz sagte mir mal bei einer Fragerunde im Rahmen einer Lesung, dass er immer schreiben könne und er so etwas gar nicht kennt.
 


Ich kann nicht immer schreiben, „Schreibblockade“ ist für mich aber ein Wort, das ein wenig zu wichtigtuerisch daherkommt. Wenn ich nicht im Garten arbeiten kann, habe ich ja auch keine „Gartenarbeitsblockade“ – vielleicht regnet es oder es ist zu kalt, vielleicht habe ich noch Rückenschmerzen vom Vortag. Wenn es beim Schreiben nicht so klappt wie gewünscht oder gewohnt, kann das ebenfalls ganz verschiedene Ursachen haben: von schlichten Kopfschmerzen oder einer beginnenden Erkältung bis hin zu der Frage, ob ich die Szene, an der ich gerade schreibe, vielleicht falsch angegangen habe oder irgendetwas im Plot nicht richtig durchdacht ist. Manche Projekte müssen auch eine geraume Weile reifen. Deshalb gibt es auch keine allgemeingültige Lösung, sondern ich muss herausfinden, woran es hakt. 

8. Was dürfen wir in naher Zukunft von Ihnen erwarten? 

Ich arbeite an einigen tollen Projekten, aber solange es keine Verträge gibt, kann ich auch nichts versprechen. Zu „Wild“ soll es jedenfalls eine Fortsetzung geben. 

9. Welche Tipps geben Sie denen, die selbst schreiben? 

Viel zu lesen und viel zu schreiben. Das ist das Wichtigste. Beim Lesen auch über den Tellerrand des eigenen Genres blicken, gute Prosa inhalieren. Und schreiben, schreiben, schreiben: Tagebuch, Briefe, Kurzgeschichten, so viel und so vielfältig wie möglich. Schreiben ist zu einem großen Teil ein Handwerk, das bedeutet: lernen und üben. Wem es hilft: Ratgeber lesen, Seminare besuchen. Und nicht zu früh über eine Veröffentlichung nachdenken. Wer unter der Dusche singt, mietet ja auch nicht gleich einen Konzertsaal. 

10. Was fasziniert Sie daran einen FantasyRoman zu schreiben? 

Dieselben Dinge, die mich beim Lesen von Fantasy begeistern: in eine ganz andere Welt eintauchen zu können, die ihren eigenen Regeln folgt. Diese Regeln erfinden, Gedankenspielen folgen – Wie wäre es, in einer Welt zu leben, in der ... (nach Belieben etwas einfügen). Und dann die Figuren in dieser fremdartigen, meist gefährlichen Welt aussetzen, während ich in meinem gemütlichen Zimmer sitze. Das hat einfach was. 

11. Wie verlaufen bei Ihnen Recherchen zu einem neuen Buch? Man findet ja alles im Internet, aber ob dies dann auch Hand und Fuß hat steht auf einem anderen Blatt … 

So weit wie möglich versuche ich die Schauplätze, an denen ein Roman spielt, selbst zu besuchen. Für „Magyria“ war ich in Budapest, für „Das Geheimnis von Cliff Manor“ in Schottland. Das geht natürlich nur, wenn eine Geschichte nicht in einer erfundenen Welt spielt. Aber auch da gibt es oft Dinge, die mit allen Sinnen erfahren werden können. Bevor ich mit der „Drachenjägerin“ begonnen habe, in der eine Müllerstochter die Hauptrolle spielt, habe ich Mühlen und Museumsdörfer besucht, einfach um ein Gefühl für eine Welt zu bekommen, die technisch weit zurückliegt. Für „Die Säulen der Macht“, wo es u.a. um Glasherstellung geht, war ich in einer Glashütte. Wenn möglich, greife ich zu Fachbüchern oder frage Bekannte. Ins Internet gehe ich natürlich auch. Aber ein Roman ist keine Doktorarbeit und muss es auch gar nicht sein. Ich will eine Geschichte erzählen und habe weder die zeitlichen noch die finanziellen Möglichkeiten, um alles und jedes lückenlos nachzuprüfen. Ich gehe sogar davon aus, dass in jedem meiner Bücher Fehler sind, die ein Leser, der sich in der Materie auskennt, bemerken wird – und die er mir hoffentlich verzeiht. Allerdings werden auch immer einige Leute Dinge für falsch halten, die ich genau recherchiert habe oder aus eigenem Erleben kenne. 

12. Haben Sie bestimmte Rituale, die eingehalten werden müssen bevor Sie mit dem Schreiben beginnen? Ein besonderer Platz? Besondere Musik, die Sie dabei hören? Stehen kleine Snacks bereit oder oder … 

Hm, ich habe Gewohnheiten, aber keine Rituale. Auch die Gewohnheiten sind nicht starr. Zu manchen Geschichten passt Musik, die es mir hilft, mich völlig in die Geschichte hineinzuversetzen. Zu anderen kann ich überhaupt keine Musik ertragen. Da ich zu Hause arbeite, muss ich mir keinen Picknickkorb packen, sondern kann mir jederzeit einen Tee kochen oder für Energienachschub sorgen. Schokolade, Kekse, Obst ... alles nur ein paar Schritte entfernt. Schriftsteller leben gefährlich. ;)

Die Fragen stellte: Lu von Lu´s Buchgeflüster und ich sage "Danke für das Beantworten meiner Fragen" an Lena Klassen aka Maja Winter.

Neugierig geworden?
Dann findet ihr folgende Rezensionen auf meinem Blog:
Wild von Lena Klassen
Die Säulen der Macht von Maja Winter



Viel Spaß beim Lesen und euch noch einen schönen Donnerstag!

Lu

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