Mittwoch, 26. Februar 2014

Autorenspecial: Micaela Jary antwortet ...

Interview mit

Micaela Jary 

Autorin von:
"Die Bucht des blauen Feuers"
"Sehnsucht nach Sansibar"
"Das Bild der Erinnerung"
und demnächst "Das Haus am Alsterufer"


Bevor ich zu dem Interview kommen, möchte ich euch vorher gerne noch ein paar Worte zur Autorin mit auf den Weg geben. Und vor allem etwas, dass NICHT in der Vita von Goldmann steht: Sie ist super sympathisch!
Das dazu!
Hier nun ein paar Worte ... 


über die Autorin (Quelle Goldmann Verlag): 

© Rossigraphie
Micaela Jary stammt aus Hamburg und wuchs im Tessin auf. Nach einem Sprachenstudium absolvierte sie ein Zeitungsvolontariat und arbeitete viele Jahre als Redakteurin, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Geschichte und Geografie sind ihre liebsten Themen, ihre Faszination gilt dabei vor allem Süd- und Ostafrika. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt nach einem langjährigen Aufenthalt in Paris heute mit Mann und Hund in München und Berlin.

www.micaelajary.de


 

Nun kommen wir zum Kern der Sache -. das Interview!
Ich wünsche euch allen genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich ihn hatte beim Stellen der Fragen und beim anschließenden Lesen!




Das Interview



1. Was hat Sie zum Schreiben gebracht? Haben Sie schon immer geschrieben oder kam es plötzlich, wie aus dem Nichts und Sie haben sich gesagt: Heute will ich mal versuchen einen Roman zu schreiben? 

Das Erzählen von Geschichten hat mich zum Schreiben gebracht. Seit ich lesen kann, liebe ich Bücher, und seit derselben Zeit schreibe ich auch. Da mein Vater Filmkomponist war, bin ich in der Welt der erfundenen Geschichten groß geworden. Das prägt.
http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Bild-der-Erinnerung-Roman/Micaela-Jary/e406271.rhd 

2. Wer oder was inspiriert Sie? Wo nehmen Sie ihre Ideen her?

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, trifft man ununterbrochen auf Geschichten, die noch aufgeschrieben werden müssen. Zumindest geht es mir so. Ich liebe alte Dinge, Möbel, Bücher, selbst Steine können meines Erachtens Geschichten erzählen. Dann finde ich immer mal wieder interessante Berichte in Zeitungen, auf die man aufbauen könnte. Private Gespräche mit meiner Tochter oder meinem Mann, aber auch mit Freunden, führen häufig zu Themen, bei denen ich sage – das ist es! Im Fall meines aktuellen Romans „Das Bild der Erinnerung“ kam ich beispielsweise durch den damals neuen Arbeitsplatz meiner Tochter im AlliiertenMuseum in Berlin auf meine Geschichte.



3. Wenn Sie Zeit zum Lesen finden, was lesen Sie dann am liebsten? Bleiben Sie dem Genre treu in dem Sie selbst schreiben oder muss es was gänzlich anderes sein?

Während ich ein Buch schreibe, versuche ich im Bett oder der Badewanne Romane zu lesen, die thematisch oder vom Zeitrahmen ähnlich sind. Privat lese ich aber auch sehr gerne Krimis, aber bitte die etwas sanftere Variante, also keine blutigen Meuchelmorde und etwas in der Art, Deborah Crombie etwa ist eine meiner Lieblingsautoren. Und dann betreibe ich ganz gezielt Konkurrenzbeobachtung, das finde ich wichtig. Ich war zwei Jahre lang Jury-Mitglied beim DeLiA-Literaturpreis - es war zwar anstrengend, damals fast 120 Bücher im Jahr zu lesen, aber der Blick auf den Markt, den ich dabei gewonnen habe, ist unbezahlbar.


4. Was sind Ihre TOP 3 bei Büchern?

Die Frage nach meinen Lieblingsbüchern beantworte ich eigentlich nie, weil ich keiner meiner befreundeten Kolleginnen den Vorzug geben möchte. Andererseits fände ich es albern, an diesem Punkt nur Klassiker zu nennen. Deshalb versuche ich es mal mit einem kleinen Ausweichmanöver:

Bis heute habe ich natürlich mehr als drei Lieblingsbücher gelesen, deshalb fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Daher möchte ich sie ein wenig umformulieren und die drei Bücher vorstellen, die meine Arbeitsweise und mich persönlich am meisten geprägt haben: "Das doppelte Lottchen" von Erich Kästner hat meine Kindheit begleitet, die Lektüre von "Vom Winde verweht" von Margaret Mitschell und vor allem von "Des Königs General" von Daphne du Maurier haben meinen Wunsch bestimmt, historische Romane zu schreiben.



5. Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht gerade an versch. Projekten arbeiten? Können und dürfen Sie uns berichten, was wir noch von Ihnen erwarten dürfen?

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Bucht-des-blauen-Feuers-Roman/Micaela-Jary/e379283.rhdIch habe einen Familie und einen Hund – da werde ich ganz schön auf Trab gehalten. Außerdem habe ich Freundinnen und Freunde und ich pendele zwischen meinen beiden Wohnsitzen in München und Berlin. Mein Privatleben ist also recht bunt. Im Moment darf ich aber glücklicherweise sehr viel arbeiten. Ich sage bewusst „darf“, weil ich es als großes Geschenk empfinde, sagen zu können: Nach dem Buch ist vor dem Buch. Derzeit schreibe ich eine Familiensaga, die zwischen 1911 und 1919 vornehmlich in Hamburg spielt und „Das Haus am Alsterufer“ heißt. Der Roman erscheint am 21.7.2014 bei Goldmann. Danach werde ich ein anderes Herzensprojekt angehen und anschließend möglicherweise die Fortsetzung des „Alsterufer“, aber es ist noch zu früh, darüber zu
sprechen


6. Wieviel steckt von Ihnen und evtl. Personen aus ihrem Umfeld in ihren Charakteren?

Sicher steckt von mir selbst immer sehr viel in meiner Hauptperson. Das ist die Frau, der ich Gedanken in den Kopf lege – und wenn ich damit nicht leben könnte, wäre sie mir wahrscheinlich nicht sympathisch. Anna Falkenberg in „Das Bild der Erinnerung“ hat sogar sehr viel von mir, obgleich sie aussieht wie meine Tochter. Und die Männer haben häufig große Ähnlichkeit mit meinem Mann, im „Bild der Erinnerung“ nicht, aber Roger Lessing in „Sehnsucht nach Sansibar“ habe ich sogar O-Töne meines Mannes in den Mund gelegt.


7. Kennen Sie das, eine Schreibblockade zu haben? Markus Heitz sagte mir mal bei einer Fragerunde im Rahmen einer Lesung, dass er immer schreiben könne und er so etwas gar nicht kennt.

Wie schön für Markus Heitz. Leider kenne ich Schreibblockaden nur zu gut. Dagegen helfen frische Luft und andere Gedanken, manchmal auch die Fahrt von München nach Berlin oder umgekehrt. Man muss einen gewissen Abstand zur Geschichte aufbauen, um die Gedanken neu zu sortieren. Sobald man den Handlungsfaden von einer anderen Perspektive aus betrachtet, geht’s gut wieder weiter. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. 


8. Was dürfen wir in naher Zukunft von Ihnen erwarten?

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Sehnsucht-nach-Sansibar-Roman/Micaela-Jary/e379214.rhd
Siehe Frage 5 


9. Welche Tipps geben Sie denen, die selbst schreiben?

Lesen, lesen, lesen!!!


10. Warum ausgerechnet historische Romane? Was fasziniert Sie daran …

Ich liebe alte Geschichten und alte Dinge. Hatte ich das eben nicht schon irgendwo erzählt? 


11. Wie verlaufen bei Ihnen Recherchen zu einem neuen Buch? - Man findet ja alles im Internet, aber ob dies dann auch Hand und Fuß hat steht auf einem anderen Blatt.

Das Internet ist der Anfang. Dort lassen sich eine Menge Informationen finden, auf denen ich bei der Recherche aufbaue. Die Lektüre von physischem Basismaterial, also gedruckten Büchern, ist jedoch unerlässlich. Ich liebe das Portal zvab.de, stöbere dort mit Vorliebe und kaufe eine Menge antiquarische Bücher über die jeweiligen Themen, die ich brauche. Manchmal muss man aber zum Telefonhörer greifen, um eine bestimmte Information zu erhalten. Um wieder das aktuelle Beispiel „Bild der Erinnerung“ zu nennen: Der Pharmazie-Historiker der Bayer AG hat mir sehr geholfen, als ich etwas über die erste Penicillin-Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wissen wollte; und dann gab es den Glücksfall eines Tagebuchs, das mir von der Verwaltung des St. Gertrauden-Krankenhauses in Berlin zur Verfügung gestellt wurde, und in dem ich Erlebnisse aus den Jahren meiner Handlung sozusagen aus erster Hand fand.


12. Haben Sie bestimmte Rituale, die eingehalten werden müssen bevor Sie mit dem Schreiben beginnen? Ein besonderer Platz? Besondere Musik, die Sie dabei hören? Stehen kleine Snacks bereit oder oder …

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Haus-am-Alsterufer-Roman/Micaela-Jary/e437655.rhdIch bin da leider wenig romantisch gestrickt – ich sitze in meinem Arbeitszimmer am Computer und schreibe. Ganz simpel. Neben dem Computer und den üblichen Bücherbergen steht meine Teetasse und meistens schläft mein Hund unter dem Tisch. Ich habe meiner Polly nämlich frühzeitig beigebracht, was es bedeutet, wenn ich sage: „Komm, wir gehen arbeiten.“ Schokolade finde ich häufig auch noch ganz hilfreich. Nach jedem Roman bringe ich mindestens ein Kilo mehr auf die Waage... Übrigens habe ich immer davon geträumt, wie einst Hemingway in einem Café in Paris zu sitzen und wundervolle Romane in mein Notizbuch zu schreiben. Leider wurde nichts daraus, obwohl ich lange in Paris lebte. Ich kann nicht in Kaffeehäusern arbeiten... Klar, Musik ist ein wunderbares Element, um sich in die jeweilige Zeit der Handlung zu katapultieren. Also Vivaldi für das 17. und 18. Jahrhundert, Richard Strauss und Mahler für die wilhelminische Zeit und Swing für die 1930er und 40er Jahre oder so. Das klappt auch bei mir gut. Allerdings höre ich nicht ständig Musik, ich brauche schon auch Ruhe.

Vielen Dank an Micaela Jary, die sich meine Fragen vorgenommen hat und sich für das Interview zur Verfügung stellte!

Ich hoffe euch hat es gefallen - über Kommentare freue ich mich immer!

Liebe Grüße
Lu





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